Warum wir mit 53 & 56 alles hinschmeissen

Wir waren im Sommer 2017 von einer langen USA-Reise zurückgekehrt. Wochen mit eigenem Fahrzeug, im eigenen Tempo — Utah, Arizona, Weiten, die man auf keiner Karte wirklich begreift.

Der Wiedereinstieg in den Schweizer Alltag war seltsam. Nicht dramatisch — aber spürbar. Als wäre der Alltag kleiner geworden. Als würde irgendetwas fehlen, das vorher gar nicht da gewesen war.

Dieses Gefühl blieb. Und im Dezember 2017 wurde aus einem Gefühl ein Plan.

Wo das beginnt

Das unbehagliche Gefühl hat keinen Namen — bis es einen bekommt

Man nennt es manchmal Midlife-Crisis. Das klingt nach einem BMW-Kauf oder einer Affäre. Es ist aber eigentlich etwas viel Einfacheres: das Gefühl, dass die Zeit läuft — und man sie nicht für das richtige Ding nutzt.

Wir lebten ein gutes Leben: eine Wohnung in der Schweiz, Arbeit, Reisen im Urlaub — zwei, manchmal drei Wochen pro Jahr, immer mit dem Rückflugticket in der Tasche. 127 Länder auf der Liste. Auf dem Papier klingt das nach einem erfüllten Reiseleben.

Und doch.

Es war kein langsames Eintauchen — es war Tourismus. Schöner, manchmal tiefer, manchmal aufwühlender Tourismus. Aber immer mit dem Bewusstsein, dass Montag wieder der Alltag beginnt. Immer mit dem Zeitdruck im Nacken.

Was wir nie gemacht hatten: irgendwo bleiben, bis wir das Gefühl hatten, den Rhythmus eines Ortes wirklich zu kennen. Bis wir die Namen der Leute auf dem Markt kannten. Bis uns der Mechaniker auf der Strassenseite mit Handschlag begrüsste, weil wir zum zweiten Mal da waren.

Die Geburtsstunde

Dezember 2017 — der Masterplan entsteht

Der eigentliche Wendepunkt lag früher. Im Sommer 2017 waren wir für mehrere Wochen durch die USA gereist — mit eigenem Fahrzeug, im eigenen Rhythmus, durch Utah, Arizona, durch Weiten, die man auf Urlaubsfotos nie wirklich begreift. Mitte Juni waren wir zurück in der Schweiz.

Der Wiedereinstieg in den Alltag war schwer. Nicht schwierig im dramatischen Sinne — aber spürbar. Als würde man nach langer Zeit wieder in zu enge Schuhe schlüpfen. Wir haben diese Reise lange mit uns getragen, haben sie verarbeitet, hin und her gewendet.

Dezember 2017

Ich erinnere mich, dass ich Wickie irgendwann fragte: „Weißt du, wovon ich auf unserer Reise gerne mehr gehabt hätte? Zeit. Zeit, länger zu bleiben, wenn der Ort uns gefällt. Die Route zu ändern, wenn das Wetter schlecht ist."

Kein Rückflugticket. Kein Abgabetermin. Kein Montag, der wartet.

Das war die Geburtsstunde des Masterplans.

Von diesem Moment an war nichts mehr eine vage Fantasie. Es war ein Plan — noch ohne Fahrzeug, noch ohne Datum, noch ohne Namen. Aber ein Plan. Die Frage war nicht mehr ob, sondern wie und wann.

Die nächsten Jahre wurden zur Vorbereitung: das erste Fahrzeug, dann das zweite, dann Naala, die unser Team um vier Pfoten bereicherte — und schließlich der Defender 130, der das alles zusammenfasst. Ein Fahrzeug, das nicht für Wochenendausflüge gebaut ist, sondern für ein Leben.

Die Zweifel

Was man uns gesagt hat — und was wir geantwortet haben

Wenn man mit 53 und 56 ankündigt, alles aufzugeben und in einem Geländewagen um die Welt zu fahren — was sagen die Menschen dann? Ehrlich gesagt: meistens nichts Negatives. Viele finden es mutig. Manche wünschen sich in stillen Momenten, sie könnten dasselbe tun.

Die klarsten Bedenken kamen von unseren Eltern. Nicht böswillig — sondern aus einer Generation, in der man eine bestimmte Lebensphase so lebt, wie man sie leben soll. Sicherheit. Stabilität. Das Erwartete. Das ist kein Vorwurf. Das ist ein Gespräch, das wir immer noch führen.

Und dann gibt es die Fragen, die Menschen stellen — und die wir uns selbst stellen. Die echten, ernsthaften:

Finanzielle Absicherung. Können wir das wirklich, ohne am Ende mittellos dazustehen? Wir haben gerechnet — sorgfältig, über viele Monate. Wir starten nicht, bevor wir wissen, dass wir von Reisetag 1 an kein zusätzliches Einkommen brauchen. Die Schweizer AHV startet für mich ab Mai 2037. Das ist der Punkt, an dem sich das Bild verändert — aber nicht so, wie manche denken.

Ernsthafte Krankheit im Ausland. Was passiert, wenn einer von uns wirklich krank wird — nicht Erkältung, sondern ernst? Schlechte Gesundheitsversorgung, Sprachbarrieren, Entfernung von zuhause? Das ist keine hypothetische Angst. Das ist eine Frage, auf die wir Antworten haben müssen, bevor wir abfahren.

Sicherheit in bestimmten Regionen. Es gibt Länder und Gegenden, die wir meiden werden. Nicht aus Feigheit — sondern weil Mut und Leichtsinn nicht dasselbe sind. Wir planen mit offenen Augen.

"Die beste Zeit für einen Aufbruch war vor zwanzig Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt."

— abgewandelt nach einem Sprichwort, das wir uns oft gegenseitig sagen

Der härteste Einwand kam nicht von anderen. Er kam von mir selbst, in einem ruhigen Moment: Was, wenn du bereust, was du zurückgelassen hast?

Die Antwort hat eine Weile gebraucht. Aber irgendwann war sie da, klar und einfach: Ich werde mehr bereuen, was ich nicht getan habe, als was ich getan habe. Das ist keine Philosophie. Das ist eine persönliche Wahrheit, für die ich fünfzig Jahre gebraucht habe.

Warum jetzt

Der echte Grund — jenseits der Romantik

Eine Reise wie diese erfordert zwei Dinge, die man nicht kaufen kann: Mut und Gesundheit. Wir sind uns bewusst, dass wir von beidem genug haben müssen — und dass wir nicht wissen, wie viel davon noch da sein wird, wenn wir das Renteneintrittsalter erreichen.

Das ist keine Schwarzmalerei. Es ist Realismus. Und er hat uns zu einer klaren Konsequenz geführt: Wir starten, sobald es unsere finanziellen Mittel erlauben. Nicht früher, nicht später. Nicht wenn alles perfekt ist — sondern wenn es gut genug ist.

Wir wollen finanziell so aufgestellt sein, dass wir von Reisetag 1 an nicht auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen sind. Und wenn wir irgendwann wieder sesshafter leben — ob nach fünf oder nach fünfzehn Jahren — wollen wir nicht feststellen, dass die Rente nicht für die nächste Stromrechnung reicht.

Diese Klarheit — über Gesundheit, über Finanzen, über Zeit — hat uns nicht kleiner gemacht. Sie hat uns präziser gemacht. Anfang 2028 ist unser Fenster. Das ist kein Impuls. Es ist ein Versprechen, das wir uns selbst gegeben haben.

Was das mit dir zu tun hat

Warum wir das hier erzählen

Dieser Blogpost hätte in einem privaten Tagebuch bleiben können. Warum teilen wir ihn?

Weil wir wissen, dass es andere gibt, die diesen Text kennen. Nicht die Geschichte — aber das Gefühl. Das Sofa. Den Fernseher, der läuft. Den Gedanken, der nicht aufhört.

NOMAD-IQ ist nicht für Menschen gebaut, die bereits aufgebrochen sind. Es ist für Menschen gebaut, die noch überlegen. Die auf dem Sprung stehen, aber noch nicht gesprungen sind. Die die Frage kennen, aber die Antwort noch suchen.

Wir teilen unsere Geschichte, weil Authentizität keine Marketingstrategie ist. Sie ist das Einzige, was tatsächlich Mut macht. Nicht Hochglanzfotos. Nicht Erfolgsgeschichten ohne Zweifel. Sondern: zwei Menschen, Mitte fünfzig, mit einem alten Defender, einem Hund und dem ehrlichen Geständnis, dass sie auch Angst hatten.

Und trotzdem.

Wir fahren Anfang 2028 los. Nicht weil alles perfekt ist. Nicht weil wir alle Antworten haben. Sondern weil das die einzige Art ist, wie Aufbrüche passieren — trotz der Ungewissheit, nicht nach ihrer Auflösung.

Wenn du deinen eigenen Abend auf dem Sofa kennst — den Moment, in dem du dachtest: Eigentlich will ich das alles nicht mehr — dann bist du hier richtig.

Fang irgendwo an. Schreib auf, was du dir vorstellst. Rechne, was du brauchst. Plane, was planbar ist. Und lass den Rest kommen.

Wir sehen uns draußen.

Sid, Wickie & Naala

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